«Mit anderen Frauen die Welt verändern»
Theodora, du hast für den damaligen cfd das erste Projekt in der Migrationspolitik umgesetzt. In diesen 30 Jahren hat sich sicher viel verändert.
Ja, das hat es! Weil wir gekämpft haben, haben wir viel gewonnen! In den 1980er- und 90er-Jahren wanderten mehr Frauen als Männer ein, durch Heirat oder Familiennachzug auch Frauen aus Nicht-EU-Ländern. Und entgegen dem weit verbreiteten Vorurteil, wonach Migrantinnen generell schlecht qualifiziert sind, verfügen viele dieser Frauen über gute Ausbildungen und Qualifikationen. Der Bedarf an Informationen, wie man in den Arbeitsmarkt einsteigt, war wichtig. Damals gab es zu diesen Themen noch keine Beratungen.
Rückblickend, was hat deine Arbeit besonders beeinflusst?
Meine Arbeit war stark geprägt von der politischen Lage. Das war nicht immer einfach. Deshalb haben wir bei jedem Projekt versucht, strukturelle Diskriminierung und Intersektionalität aufzuzeigen.
An welche Erfahrungen erinnerst du dich gerne?
Es hat mich immer besonders berührt, wie sich Teilnehmerinnen beim Projekt gegenseitig unterstützt haben und wie ich ihre Entwicklung in unseren Projekten miterleben konnte. Am Anfang waren viele unsicher, aber am Projektende haben viele Frauen eine Stelle gefunden oder machten eine ganz andere Ausbildung. Es gibt so viele Erfolgsgeschichten: Die Migrantinnen lassen sich nicht unsichtbar machen und nehmen ihren Platz in der Gesellschaft ein.
Kaum zu glauben, dass du die Stelle erst gar nicht annehmen wolltest.
Ich war eine der Frauen, die vom cfd eingeladen wurde, um Projekte für Migrantinnen umzusetzen. Wir haben ein Beratungsprojekt für Frauen in portugiesischer Sprache entwickelt, das gab es damals noch nicht. Der cfd wollte das Angebot dann auf weitere Sprachen ausweiten. Ich habe erst gezögert, mich zu bewerben, ich hatte ein kleines Kind und kannte das politische Geschehen in der Schweiz als Ganzes noch nicht. Da ich eine politische Person bin, konnte ich diese tolle Möglichkeit nicht ablehnen, in einer NGO zu arbeiten, wo wir als Migrantinnen uns selbst stärken. Der Ansatz der Arbeit war so innovativ, ich wollte unbedingt mit anderen Frauen die Welt verändern.
Ende April 2026 gehst du in Pension. Was sind deine Pläne für die Zeit danach?
Ich werde natürlich das Team von Frieda vermissen. Ich wünsche dem Team, dass es weiter innovative und partizipative Projekte entwickelt, damit die Sichtbarkeit der Migrantinnen noch deutlicher wird. Privat werde ich dieses Jahr zuerst auf Reisen gehen. Danach werde ich mich neu orientieren.
Theodora Leite Stampfli geht Ende April 2026 in Pension, ihre Nachfolgerin Mona-Lisa Kole beginnt Anfang April. Die Frieda-Projekte von Theodora Leite Stampfli werden weitergeführt.
Mira – Kompass
Mehr über das Projekt lesen.
Spenden
Unterstütze qualifizierte Migrantinnen in der Schweiz!
Migrationspolitik bei Frieda
Hier mehr erfahren.