«Wo ein Wille ist, braucht es endlich auch einen Weg»

13. März 2026
Mona-Lisa Kole ist ab April Programmverantwortliche Migrationspolitik bei Frieda. In ihrem Kommentar schreibt sie, was es braucht, damit wirtschaftliche Partizipation von Migrant*innen nicht nur auf dem Papier geschieht, sondern auch im Alltag gelebt werden kann.
mona-lisa-portrait.jpg

Im Studium der internationalen Beziehungen bin ich zum ersten Mal über den Begriff Nation-Building gestolpert. Die Erkenntnis war irritierend und befreiend zugleich: Nationen, so wie wir sie heute kennen, sind keine naturgegebenen Gebilde, sondern junge politische Konstruktionen und damit auch die Konzepte von Grenzen, Nationalitäten und Migration, wie wir sie heute verwenden. Auch die Schweiz ist kein historischer Zufall, sondern ein bewusstes Projekt – eine Willensnation, die sich nicht über Sprache oder Herkunft definiert, sondern über gemeinsame Werte, Institutionen und Regeln des Zusammenlebens. Eine schöne Erzählung. Und doch stellt sich mir bis heute die Frage, wer in diesem «Wir» tatsächlich gemeint ist und wer nur dazugehören darf, solange man funktioniert.

Wirtschaftliche Partizipation gilt hierzulande oft als erreicht, sobald Migrant*innen eine Stelle finden. Hauptsache beschäftigt. Diese Logik greift zu kurz. Teilhabe bedeutet nicht nur Erwerbsarbeit, sondern die Möglichkeit, eigene Kompetenzen einzubringen, mitzugestalten und finanziell unabhängig zu sein. Genau daran scheitert es in der Praxis häufig.

Viele Migrant*innen bringen Ausbildung, Berufserfahrung und unternehmerische Ideen mit. Dennoch stossen sie auf strukturelle Hürden: einschränkende aufenthaltsrechtliche Bestimmungen, Abschlüsse die nicht anerkannt werden, fehlende Netzwerke und Sprachkenntnisse die unter- oder überschätzt werden. Hinzu kommen rassistische Zuschreibungen, prekäre Arbeitsverhältnisse und die Erwartung, Care-Arbeit selbstverständlich «nebenbei» zu leisten. Die Folge ist systematische Unterbeschäftigung – nicht aus mangelndem Willen, sondern aus fehlenden Zugängen.

mona-lisa-kole-workshop-2.jpg
Mona-Lisa Kole an ihrem Workshop an Utopia Rising. Bild: Livia Walker.

Was es braucht, ist ein Perspektivenwechsel: weg von der Defizitlogik, hin zur Anerkennung vorhandener Ressourcen. Programme wie der Mira-Kompass zeigen, wie Orientierung, individuelle Beratung und Vertrauen Selbstwirksamkeit stärken können. Ebenso zentral sind Arbeitgeber:innen und politische Rahmenbedingungen, die Vereinbarkeit, Schutz, Weiterbildung und faire Löhne ermöglichen.

In meiner neuen Rolle bei Frieda habe ich das Privileg, genau hier anzusetzen: Stimmen zu stärken, die systematisch überhört werden, und Strukturen sichtbar zu machen, die Teilhabe verhindern.

Wirtschaftliche Partizipation ist eine Voraussetzung dafür, dass eine Willensnation ihrem eigenen Anspruch gerecht wird. Die Verantwortung dafür tragen wir gemeinsam.

Mona-Lisa Kole ist ab April Programmverantwortliche Migrationspolitik bei Frieda. Sie tritt die Nachfolge von Theodora Leite-Stampfli an.

Dialog 2030: Nachhaltigkeit und Sicherheit

Uhr
Eventfabrik Bern
Die Veranstaltung Dialog 2030 ermöglicht den Austausch zwischen Bund und Stakeholdergruppen und will die koordinierte und wirkungsvolle Umsetzung der Agenda 2030 ermöglichen.
> Detailinfos zum Anlass

Miteinander statt nebeneinander – Gemeinsam Vorurteile abbauen und Verständnis im Arbeitsleben fördern

18:00 Uhr
Haus der Religionen
Im Rahmen ihrer Teilnahme im Mira-Kompass-Programm, geleitet durch die Abteilung Migrationspolitik von Frieda, organisieren die Teilnehmerinnen zwei Veranstaltungen zum Thema Arbeitsmarkt und Migration. Wir freuen uns auf viele Interessierte und einen regen Austausch an den anschliessenden Apéros.
> Detailinfos zum Anlass

Kinderrechte gelten auch im Krieg

12:00 Uhr
Bundesplatz
Am Internationalen Tag der Kinderrechte erinnern das Forum für Menschenrechte in Israel/Palästina und Campax mit tausenden Kinderschuhen und Schulsäcken an die getöteten Kinder im Nahostkonflikt – und fordern Schutz, Versorgung und Bildung für die überlebenden Kinder.
> Detailinfos zum Anlass

Worte finden, Strukturen brechen

19:30 Uhr
das Gleis, Zollhaus
Über digitale geschlechtsspezifische Gewalt und die Macht der Sprache.
> Detailinfos zum Anlass

Nicht allein im Netz

18:00 Uhr
Café Révolution, Atelier 014 im PROGR
Ein Workshop zu rassistischer und sexistischer Gewalt im digitalen Raum.
> Detailinfos zum Anlass

Worte finden, Strukturen brechen

19:30 Uhr
Kleine Bühne im PROGR
Über digitale geschlechtsspezifische Gewalt und die Macht der Sprache.
> Detailinfos zum Anlass

Sichtbar werden, sichtbar bleiben

19:30 Uhr
Kleine Bühne im PROGR
Digitale Gewalt und die politische Teilhabe migrantisierter FINTAs in der Schweiz.
> Detailinfos zum Anlass
×
Scroll agenda container left
Scroll agenda container right