Sicherheit schaffen – Armee scheitert schon intern an ihrer Hauptaufgabe

Britta Gfeller und Natalina Haller, 9. Juli 2026
«Schritt der Emanzipation» oder «Dienst am Nächsten» – mit solchen Sprüchen wird seit Jahrzehnten versucht, Frauen das Militär schmackhaft zu machen. Zurzeit arbeitet der Bundesrat an einer Änderung der Bundesverfassung, um einen obligatorischen Orientierungstag zur Armee und zum Zivilschutz für junge Frauen einzuführen.
Frieda am Ostermarsch 2025 in Bern. Foto: Livia Walker

Die Rolle der Frauen in der Schweizer Armee wird seit Langem diskutiert. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurde der sogenannte Frauenhilfsdienst gegründet. Frauen übernahmen vor allem Tätigkeiten in der Küche, bei der Feldpost oder im Transport – Aufgaben, die dem damaligen Rollenbild entsprachen. Lange prägten diese traditionellen Genderrollen die Institution – Männer als Beschützer, Frauen als Unterstützerinnen. Bis heute verstärkt die Militarisierung patriarchale Gewalt. Dennoch setzt die Politik weiterhin auf eine stärkere Einbindung von Frauen in die Armee.

Zivilschutzpflicht noch vor Frauenstimmrecht

1957 wurde über ein Zivilschutzgesetz abgestimmt, das auch einen obligatorischen Dienst für Frauen vorsah. Die Vorlage wurde abgelehnt. Frauenorganisationen argumentierten, dass eine solche Vorlage erst diskutiert werden könne, wenn Frauen politisch mitbestimmen dürfen.

1970 prüfte das Eidgenössische Militärdepartement, wie Frauen stärker in die Verteidigung eingebunden werden könnten. Diskutiert wurde unter anderem eine weibliche Reservearmee. Die Rollenverteilung blieb dabei klar stereotyp: Männer sollten bewaffnet kämpfen, Frauen schützen, pflegen und Versorgungslücken schliessen. Gegen diese Vorstellungen regte sich Widerstand – sowohl von feministischer Seite als auch von konservativen Stimmen, die Frauen weiterhin im Haushalt sehen wollten und nicht in der «Männerdomäne» Armee.

Erst seit 2004 gleiche Funktionen wie Männer

1986 wurde der Frauenhilfsdienst in den militärischen Frauendienst umgewandelt. Frauen konnten nun militärische Grade erreichen, blieben jedoch unbewaffnet. Erst ab 1995 gab es gemischte Rekrut:innenschulen und erst seit 2004 dürfen Frauen sämtliche Funktionen in der Armee bewaffnet übernehmen.

2022 wurde unter Bundesrätin Viola Amherd die Fachstelle Frauen in der Armee und Diversity (FiAD) geschaffen. Eine 2024 veröffentlichte Studie der FiAD bestätigt, dass Militarisierung bestehende Machtverhältnisse wie patriarchale Gewalt und Geschlechterungerechtigkeit verschärft. Während geschlechtsspezifische Gewalt in der Gesamtgesellschaft weit verbreitet ist, wird sie laut der Studie innerhalb der Armee noch häufiger erlebt, insbesondere von Frauen und queeren Personen. Die befragten Personen sind zwar unterschiedlich von Diskriminierung betroffen, machen jedoch alle die Organisationskultur als häufigsten Diskriminierungsgrund verantwortlich.

Grundlegende Widersprüche

Während die Integration von Frauen oft als Fortschritt und Gleichstellung präsentiert wird, bleibt die Institution Armee eng mit patriarchalen Strukturen, Gewalt und Ungleichheit verbunden. Und aus friedenspolitischer Perspektive ist es ohnehin fraglich, ob eine Ausweitung der Armee tatsächlich zu mehr Sicherheit und Frieden führt.

Zudem leisten Frauen auch ohne Militärdienst einen enormen Anteil an die Gesellschaft. Laut dem Bundesamt für Statistik investierten Frauen im Jahr 2024 wöchentlich rund 36 Stunden unbezahlte Care-Arbeit in den Dienst der Gemeinschaft. Diese Arbeit ist jährlich umgerechnet 322 Milliarden Franken wert. Richtige Gleichberechtigung knüpft also an der Aufwertung jener Gratisarbeit an und nicht an der Verpflichtung von Frauen zum Militärdienst.

Dieser Beitrag wurde zuerst im à propos Magazin von KOFF Die Schweizer Plattform zur Friedensförderung publiziert.

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