Mut wider die strukturelle Gewalt
Asma Zaal Ali Adweib aus der Stadt Za’tara ist Teil des Frieda-Projekts «Iradatuna – Wir wollen» und erzählt den Frieda-Leser*innen in loser Folge aus ihrem täglichen Leben.
Palästinensische Frauen leben im Spannungsfeld von Mehrfachdiskriminierungen. Einschränkungen durch die israelische Besatzung sind oft von geschlechtsspezifischen Gefahren wie Belästigungen an Checkpoints begleitet. Patriarchale Rollenbilder und Normen der palästinensischen Gesellschaft schränken den Handlungsspielraum von Frauen zusätzlich ein.
Eine von ihnen ist Asma Zaal Ali Adweib. Sie ist eine Macherin: Nach dem Studium der Sozialwissenschaften und einer Lehrer*innen-Ausbildung verwirklicht sie ihren Traum von finanzieller Unabhängigkeit schon als junge Frau, indem sie einen eigenen Kindergarten gründet. Einige Jahre später wagt sie es, für den Gemeinderat in ihrer Stadt zu kandidieren – ein mutiger Schritt, mit dem sie die vorherrschenden gesellschaftlichen Ansichten über junge Frauen im öffentlichen Dienst in Frage stellt.
«Ich glaube fest an die an die zentrale Rolle der Frauen bei der Entwicklung der lokalen Gemeinschaft»
Die Frieda-Partnerorganisation «Rural Women’s Development Association» (RWDS) begleitet und ermutigt sie auf ihrem Weg zur öffentlichen Identifikationsfigur. Asma Zaal Ali Adweib nimmt an einer Reihe von Sensibilisierungskursen, Workshops und Mentoring-Sitzungen teil, die ihr Selbstvertrauen stärken und ihr Führungskompetenzen vermitteln.
Realität der Besatzung
Trotz des Widerstands einiger Familienmitglieder kandidiert sie für eine zweite Amtszeit im Gemeinderat. «Ich glaube fest an die an die zentrale Rolle der Frauen bei der Entwicklung der lokalen Gemeinschaft», sagt Asma Zaal Ali Adweib.
Zusätzlich ist Asma Zaal Ali Adweib seit ihrer Kindheit mit der Realität der israelischen Besatzung in der Westbank konfrontiert. «Als Schulkind rannte ich unter Beschuss nach Hause. Ich stand einer Siedlerin gegenüber, die auf mich schiessen wollte. Es war furchtbar.» So lebt sie psychologisch gesehen in einem Zustand ständiger Wachsamkeit.
Strukturelle Hindernisse auf mehreren Ebenen
Kontrollpunkte und Absperrungen beeinflussen die einfachsten Details ihres Alltags und stehen für die vielen Einschränkungen der Frauen in einer konservativen Gesellschaft unter Besatzung. Die wirtschaftlichen Möglichkeiten einer Frau werden durch Strukturen auf mehreren Ebenen beschränkt. Das erschwert Eigenständigkeit und Emanzipation – und schlussendlich gesellschaftlichen Fortschritt.
«Meine Erfahrungen haben mir gezeigt, dass die Freiheit und Unabhängigkeit einer Frau nicht einfach gewährt werden, sie werden durch Handeln errungen», sagt Asma Zaal Ali Adweib. So sieht sie ihr Amt als Antwort auf alle Einschränkungen. «Es ist eine Botschaft, dass ich in der Lage bin, Schmerz in Hoffnung und beruflichen Verlust in politische Führungsstärke zu verwandeln, die meinem Volk und meiner Gemeinschaft dient.»
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Strukturelle Gewalt
Der Beitrag aus dem Frieda-Glossar.