Das war Utopia Rising
Das Motto der Konferenz, «Utopia Rising», Utopie erhebt sich, klinge fast ein bisschen nach Science-Fiction oder nach einem sehr ambitionierten Motto, sagt Frieda-Präsidentin Virginia Köpfli in ihrer Eröffnungsrede. Doch fern aller Science-Fiction beschreibe es ziemlich genau, was an der Konferenz passiere. «Wir weigern uns, die Welt so zu akzeptieren, wie sie sich gerade gibt. Wir nehmen Krisen, Gewaltspiralen und Backlash wahr – aber nicht hin. Heute nehmen wir uns den Raum und die Zeit für Visionen und machen damit eine andere Welt überhaupt denkbar.»
Solidarität leben, Verknüpfungen bilden
Dabei spiele der Begriff «Feministische Solidarität» eine grosse Rolle, sagt Virginia Köpfli weiter. «Das heisst, dass wir Gewalt nicht als individuelles Problem verstehen, sondern als strukturelles – und entsprechend kollektiv handeln. Sie heisst, dass Organisationen sich gegenseitig tragen, wenn sie politisch oder finanziell unter Druck geraten. Sie heisst, dass wir nicht nur in unseren eigenen Themenblasen bleiben, sondern Verbindungen knüpfen: zwischen der Arbeit gegen geschlechtsspezifische Gewalt, der Friedensarbeit, der Arbeit in unseren Projektländern, der Unterstützung von Menschen auf der Flucht, der Auseinandersetzung mit Rassismus, Queerfeindlichkeit und anderen Herrschaftsformen.»
Wie feministischer Frieden konkret umgesetzt werden kann, erarbeiteten die Expertinnen und Teilnehmer*innen in drei thematischen Workshops: So zeigten Larissa Mina Lee und Carla Weymann von PWAG - PeaceWomen Across the Globe in einem Video-Interview mit der Aktivistin Rabab Baldo, wie Friedensarbeit im Sudan unter widrigsten Bedingungen gelingen kann – nämlich mit Kreativität.
Mona-Lisa Kole und Anna Chiedza Spörri von café révolution setzten sich mit der Frage auseinander, wer feministische Utopien mitbestimmt und welche Stimmen in diesem Diskurs gehört werden; denn oft wird marginalisiertem Wissen keinen Wert beigemessen.
Im Workshop von Franziska Schutzbach befassten sich die Teilnehmer*innen mit dem Thema politische Resilienz, besonders wie individuelle Resilienz erhalten und gepflegt werden kann. Eine Erkenntnis: Eine Fehlerkultur gegenüber sich selbst etablieren.
Die Wichtigkeit von Feministischen Utopien
Am Podium zu dem Thema Podium «Transnationale Solidarität und widerständige Strategien» diskutierten Emilia Roig, Mona-Lisa Kole und Lisa Joanne Bissegger unter der Moderation von Nadia Brügger. Auch die Podiumsteilnehmerinnen stellten die Frage nach der Wichtigkeit von Utopien: «Die Utopie ist eine unterschätze Kraft», sagt Emilia Roig. «Wir verlieren oft Zeit in der Suche nach der Lösung. Dabei sollten wir uns die Frage stellen, wie eine Welt ohne das Problem aussieht.» Auch Mona-Lise Kole erzählt, sie nutze utopisches Denken als Praxis. «Eigene Barrieren kommen schnell. Utopisches Denken gibt mir Energie und Hoffnung ausserhalb der limitierenden Rahmen.»
Ein Blick auf die politische Lage macht klar: Utopien brauchen Zeit. Hier helfe das Verständnis dafür, dass Veränderungen Zeit brauchen, sagt Lisa Joanne Bissegger. «Wir müssen weg von der Kurzfristigkeit und uns als Teil von Kollektiven und Netzwerken sehen.»
In diesem Sinne bildeten die Party im Queerfeministischen Raum der Reitschule und der Brunch am Samstagmorgen mit Infoständen und einer Siebdruck-Station den Rahmen zu Workshop und Podium – Feministischen Frieden feiern, wirken lassen und sich dabei vernetzen.
Die 9. Feministische Friedenskonferenz wird von PWAG - PeaceWomen Across the Globe organisiert.