Chams – Sonne ist Licht im Dunkeln

29. Februar 2024
Das Schicksal der 22-jährigen Nouria ist kein Einzelschicksal. Unzählige Frauen in Marokko erleben die gleiche Geschichte, an deren Ausgangspunkt oft eine ungewollte Schwangerschaft steht.
Frauen und Teilnehmerinnen des Projekts von Frieda sitzen vor einem Gewässer und schauen in die Ferne.

«Seit meiner Kindheit war mein Leben bestimmt von Gewalt und Demütigungen. Liebe und Zuneigung gab es in meiner Familie keine. Ich wurde mehrfach vergewaltigt: Von Verwandten und anderen Männern. Ich wurde zwei Mal ungewollt schwanger und heute bin ich HIV-positiv. Um meine Kinder zu ernähren, blieb mir nichts anderes übrig, als mich zu prostituieren.»

Das Schicksal der 22-jährigen Nouria ist kein Einzelschicksal. Unzählige Frauen in Marokko erleben die gleiche Geschichte, an deren Ausgangspunkt oft eine ungewollte Schwangerschaft steht. Es ist die Geschichte von Frauen, die ihren Körper verkaufen müssen, um zu überleben. Sie werden stigmatisiert, diskriminiert, entwürdigt und an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Obwohl Frauen in Marokko die gleichen Rechte haben wie Männer, finden 62 % der marokkanischen Männer immer noch, Frauen müssten häusliche Gewalt tolerieren. Vergewaltigte Frauen werden gar zum Schweigen gezwungen, zum Vergessen des Schrecklichen, um die Ehre der Familie nicht zu beschmutzen.

Die Projektteilnehmer*innen können in einer geschützten Atmosphäre über ihre Erfahrungen sprechen. Foto: Lamia Naji.
Im Projekt Chams – Sonne finden gewaltbetroffene Sexarbeiter*innen in Marrakesch Gehör und Wärme. Foto: Lamia Naji

Endlich Wärme und Wertschätzung finden

Im Projekt Chams – Sonne begleitet und stärkt Frieda, gemeinsam mit der Partnerorganisation Association de lutte contre le Sida ALCS, gewaltbetroffene Frauen. Sie erhalten niederschwelligen Zugang zu guter medizinischer Betreuung.

Zudem bietet das Projekt Informations- und Sensibilisierungssitzungen, Selbsthilfegruppen zur Verbesserung des Selbstwertgefühls und soziale und psychologische Beratung. Ein Solidaritätsfonds leistet Soforthilfe für besonders bedürftige Frauen, beispielsweise Lebensmittel oder warme Decken. Denn manche Frauen haben kein Zuhause, schlafen jede Nacht woanders und übernachten teilweise sogar draussen.

Nouria hat sich mit dem Wunsch nach finanzieller Unterstützung, um lebenswichtige Medikamente kaufen zu können, ans Projekt gewandt. Gefunden hat sie noch viel mehr: «Zum ersten Mal meine Geschichte erzählen zu können, war eine Form der Befreiung. An diesem geschützten Ort fühlte ich mich vom ersten Moment an sicher. Hier finde ich die Familie, die ich nie hatte. Die anderen Frauen geben mir Wärme, hören zu. Sie werten nicht, zeigen mir vielmehr, dass auch ich wertvoll bin.»

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In den geschützten Räumen der Partnerorganisation ALCS können die Frauen* über ihre Erfahrungen sprechen und erhalten gesundheitliche und rechtliche Beratung und Begleitung. Fotos: Lamia Naji

Umfassendes Empowerment gewaltbetroffener Frauen

Im Projekt haben die Frauen die Möglichkeit, eine Berufsausbildung zu absolvieren. Dies eröffnet ihnen die Chance, sich wirtschaftlich nachhaltiger selbständig zu machen und sich gesellschaftlich wieder integrieren zu können. Auch rechtliche Unterstützung für gewaltbetroffene, missbrauchte oder alleinerziehende Frauen wird angeboten. Denn sehr belastend für die Alleinerziehenden ist, dass ihre Kinder oft nicht im Personenregister eingetragen sind. Wegen der fehlenden Registrierung gelten sie als «identitätslos» und werden vom Schulbesuch und weiterer Bildung ausgeschlossen. Die rechtliche Unterstützung im Projekt ermöglicht den Müttern, ihre Kinder trotz administrativen und juristischen Hürden registrieren zu lassen.

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Projektleiterin Soumia ermutigt und stärkt die marginalisierten und diskriminierten Frauen. Foto: Stephanie Hofer

Auch Frauen, die erlittene Gewalt zur Anzeige bringen möchten, erleben einen Spiessrutenlauf. Man glaubt ihnen nicht oder die Frauen müssen gar Schikanen der Polizei oder der Gerichte über sich ergehen lassen, weil sie Prostituierte sind. Wie ausserehelicher Geschlechtsverkehr ist Prostitution in Marokko verboten, wird aber toleriert. Eine Sexarbeiter*in kann darum einen Freier, durch den sie Gewalt erfahren hat, kaum anzeigen. Zu gross ist die Gefahr, dass sie anstelle des Freiers bestraft wird. Solche entwürdigende Situationen machen die Sexarbeiter*innen zu einer hochverletzlichen Gruppe. Die Projektverantwortlichen stehen an der Seite der Betroffenen und unterstützen sie juristisch und administrativ.

Projektkoordinator*in Soumia ist betont: «Es ist eine grosse Freude, Teil eines Projekts zu sein, das den marginalisierten, diskriminierten Frauen eine Stimme gibt, ihnen das Recht auf Gesundheit zugesteht und mit ihnen die Hoffnung auf Gleichstellung teilt.»

Für Nouria und ihre beiden kleinen Kinder ist die Teilnahme am Projekt ein erster Schritt aus einem Tunnel ohne Licht. Oder wie sie selbst ausdrückt: «Durch das Projekt habe ich Selbstvertrauen, Hoffnung und Kraft zurückzugewonnen. Ich traue mich fast nicht, es auszusprechen, aber ich beginne zu glauben, dass ich hier meinen guten Stern gefunden habe.»

Das Projekt gibt den Frauen eine Stimme und begleitet und ermutigt sie zu Veränderungen.

Menschenrechte unter Druck in Israel und Palästina

19:00 Uhr
Käfigturm
In Israel und im Westjordanland stehen die Menschenrechte zunehmend unter Druck. Ungeahndete Gewalt radikaler Siedler, gesetzliche Änderungen, welche die Aneignung von Land erleichtern und der wachsende Extremismus auf allen Seiten gefährden den Schutz grundlegender Rechte. Dazu schmälern zunehmende Einschränkungen und Druck auf die Zivilgesellschaft den Raum für kritisches Engagement. Auch der Krieg gegen den Iran wirkt auf die Region ein.
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Filmvorführung: Wir Mitbürgerinnen

18:30 Uhr
Cinéma Rex Fribourg
Anlässlich des Tages der Demokratie vom 15. September 2026, und mit dem Ziel, die Bemühungen, die im Rahmen der Kampagne «Ihre Stimme zählt!» aufgegleist worden sind, zu festigen, lädt die IMR Fribourg zu einem öffentlichen Kino- und Diskussionsabend ein.
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Tagung: Friedensfähig statt kriegsbereit - Pazifismus in Zeiten globaler Gewalt

14:00 Uhr
Paulus Akademie
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Die Paulus Akademie organisiert eine Tagung zur Frage, wie wir heute, einer Zeit der globalen Aufrüstung, als Gesellschaft noch friedensfähig werden können. In Inputreferaten und Workshops werden Räume für Reflexion und Austausch geöffnet.
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Filmvorführung: Imagine Peace

18:20 Uhr
RiffRaff
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Die hundertjährige Pionierin des Friedens Aktivismus Edith Ballantyne blickt auf ein Leben im Dienst des Friedens zurück und will ihre Erfahrungen weitergeben, bevor ihre Stimme für immer verstummt.
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Mira-Kompass: Mehr als ein Lebenslauf: Migrantische Frauen und ihre unsichtbaren Kompetenzen im Schweizer Arbeitsmarkt

18:00 Uhr
Rotonda, Pfarrei Dreifaltigkeit
Im Rahmen ihrer Teilnahme im Mira-Kompass Programm, geleitet durch die Abteilung Migrationspolitik von Frieda, organisieren die Teilnehmerinnen zwei Veranstaltungen zum Thema Arbeitsmarkt und Migration. Wir freuen uns auf viele Interessierte und einen regen Austausch an den anschliessenden Apéros.
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Mira-Kompass: Miteinander statt nebeneinander – Gemeinsam Vorurteile abbauen und Verständnis im Arbeitsleben fördern

18:00 Uhr
Haus der Religionen
Im Rahmen ihrer Teilnahme im Mira-Kompass Programm, geleitet durch die Abteilung Migrationspolitik von Frieda, organisieren die Teilnehmerinnen zwei Veranstaltungen zum Thema Arbeitsmarkt und Migration. Wir freuen uns auf viele Interessierte und einen regen Austausch an den anschliessenden Apéros.
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Dialog 2030: Nachhaltigkeit und Sicherheit

Uhr
Eventfabrik Bern
Die Veranstaltung Dialog 2030 ermöglicht den Austausch zwischen Bund und Stakeholdergruppen und will die koordinierte und wirkungsvolle Umsetzung der Agenda 2030 ermöglichen.
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